Gesundheitsmagazin
Auf einen Blick
Kaffee

Mythos: Kaffee ist ungesund

Die Frage, ob Kaffee gesund ist oder nicht und wie Koffein auf den Körper wirkt. Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit — erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.

 

Koffein ist weltweit das mit Abstand am meisten benutzte psychotrope Stimulanz. Koffein ist billig, überall erhältlich, frei verfügbar und es ist in vielen täglich konsumierten Produkten enthalten, beispielsweise in Kaffee, Tee, Coca Cola, dunkler Schokolade, Mate und Energy Drinks. Der in Grüntee und Schwarztee enthaltene Wirkstoff, der in der Umgangssprache oft als Thein oder Teein bezeichnet wird, ist ebenfalls Koffein. Koffein stammt aus der Kaffeebohne, dem Teeblatt und aus der Cola Nuss. Koffein selbst ist geruchlos, hat aber einen sehr bitteren Geschmack.

 

Welche Effekte hat Koffein auf unserem Körper?


Koffein wird im Magen- und Darmtrakt innerhalb von 15 Minuten resorbiert. Es führt zu einer Verengung der Blutgefäße und damit zu einer Blutdrucksteigerung. Über eine Freisetzung des Stresshormons Adrenalin kommt es zu einer Steigerung der Pulsfrequenz und generell zu einer Steigerung der Muskelspannung. Geringe Koffeindosen führen zu einer guten Stimmung und zu Wohlbefinden, Koffein macht wach und steigert die Aufmerksamkeit. Koffein kann auch die Darmperistaltik steigern.

 

Wie viel Koffein ist wo drin?


Eine Tasse Kaffee enthält im Schnitt zwischen 75 und 150 mg Koffein, eine kleine Flasche Cola zwischen 30 und 60 mg, eine Dose Redbull etwa 80 mg. Dunkle Schokolade enthält dreimal mehr Koffein als Milchschokolade. Weltweit vertreten Fachgesellschaften die Meinung, dass 400 mg Koffein - das entspricht 4 bis 5 Tassen Kaffee - sicher sind und keine ungünstigen Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Kinder sollten absolut kein Koffein zu sich nehmen. Kaffee ist per se aber nicht ungesund! Wer ein Gramm Koffein zu sich nimmt - das entspricht in etwa 30 Tassen Espresso - kann nicht schlafen, bekommt Herzrasen, Herzrhythmusstörungen und auch Sehstörungen. Tödlich wäre Kaffee beziehungsweise Koffein allerdings erst ab einer Dosis von 10 g. Das entspräche 300 Tassen Espresso. Todesfälle infolge einer Überdosierung sind vielfach beschrieben worden. In den USA gibt es sogar Unterhosen mit Koffein bis hin zu Seifen, die Koffein enthalten. Es konnte nämlich gezeigt werden, dass Koffein gut über die Haut resorbiert wird.

 

Günstige Auswirkungen von Koffein auf die Gesundheit


Im Alltag hebt Koffein unser Wohlbefinden. Es steigert die Muskelkraft und wirkt einer körperlichen und geistigen Erschöpfung entgegen. Es kann nicht nur die Geschwindigkeit der Denkprozesse erhöhen, sondern auch das Langzeitgedächtnis verbessern. Bei Frauen führt Koffeinkonsum dosisabhängig ganz offenbar zu weniger Depressionen. Koffein stand lange auf der Dopingliste des Internationalen Olympischen Komitees. In einer 2015 publizierten Studie konnte gezeigt werden, dass Koffein die Melanomrate um bis zu 20 Prozent absenkt, bei mindestens vier Tassen Kaffee täglich.

 

In Verbindung mit Kalium und Natrium führt Koffein bei früh geborenen Babys zu einer besseren Atmung. Koffein potenziert die schmerzsenkende Wirkung vieler Schmerzmittel, insbesondere bei Kopfschmerzen.

 

Gesicherte ungünstige Effekte auf die Gesundheit


Kaffee kann zu Schlafstörungen führen und verschlechtert damit natürlich auch den Zustand von Schlaflosigkeit. Viel Koffein kann den Blutdruck erhöhen und erhöht damit generell eine vermehrte Gefäßsteifigkeit in den Schlagadern. Höhere Dosen an Koffein können Kopfschmerzen und Schwindel verursachen. Koffein kann zur Dehydration (Austrocknung) des Körpers führen.

 

Gewöhnung und Entzugssymptome


Bei regelmäßigem Konsum von Koffein kommt es schon nach wenigen Tagen zu einer Koffeinintoleranz, das heißt der Körper spricht nicht mehr so gut auf Koffein an und man müsste ständig die Dosis erhöhen, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Wenn wir den Koffeinkonsum abrupt einstellen, kommt es zu massiven Entzugssymptomen. Typisch sind dann Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, depressive Erscheinungen bis hin zu grippeähnlichen Symptomen.

 

Dieser Artikel erscheint auch in der Kolumne „Gesund mit Diehm“ auf www.gesuendernet.de, die Prof. Dr. Curt Diehm wöchentlich schreibt.

 

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