Gesundheitsmagazin
Auf einen Blick
Heißhunger

Heißhunger

Wie sich unkontrollierte Heißhungerattacken und Essanfälle vermeiden lassen und was man tun kann, wenn man doch einmal vom Heißhunger überfallen wird.  Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit — erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.

 

Viele von uns kennen das Problem: Wir sind den ganzen Tag nicht richtig zum Essen gekommen und es entwickelt sich plötzlich ein Heißhunger. Manchmal steigert sich das Verlangen nach Süßem und Fettigem ins Unermessliche. Diese Gelüste sind oft die Gründe für ungewollte Gewichtszunahmen. Prinzipiell ist gegen ein Stückchen Schokolade oder ein paar Gummibärchen, selbst ein paar Chips, nichts einzuwenden. Das Problem ist aber, dass häufig die Dosis nicht stimmt und aus dem Stückchen Schokolade dann eine ganz Tafel und aus der Handvoll Chips eine ganz Packung wird.

Heißhunger ist oft gekoppelt mit psychischem Stress oder es liegen psychosomatische Probleme wie Depressionen, Schlafstörungen oder chronische Unzufriedenheit vor. Es kommt zu regelrechten Heißhungerattacken. Dann ist Heißhunger eine besondere Form der Ess-Störung, die formal noch deutlich häufiger als Bulimie und Magersucht auftritt. Wenn wir frustriert sind, kann es vorkommen, dass wir große Mengen an Lebensmittel geradezu verschlingen. Psychologen sprechen bei dieser Ess-Störung von „food cravings“ beziehungsweise „binge-eatings“. Bislang ist nicht geklärt, wie es zu dieser Ess-Störung im Detail kommt. Auslösend wirken auch Gefühle wie Langeweile, Trauer und Angst. Die Problematik ist soweit verbreitet, dass es heute schon Selbsthilfegruppen gibt, die sich sehr verständnisvoll um die Betroffenen annehmen. In schweren Fällen ist eine stationäre Behandlung erforderlich.

Begleitet ist Heißhunger oft von Krankheitszeichen wie Zittern, Konzentrationsstörungen, Schwächegefühl und unkontrollierten Schweißausbrüchen. Die beste Vorbeugung für eine solche „Krisensituation“ ist ein konstanter Blutzuckerspiegel. Wenn im Tagesverlauf der Blutzuckerspiegel durch längere Nahrungsabstinenz oder durch zu viel Stress im Alltag abfällt, kann Heißhunger entstehen. Blutzuckerabfälle können auch auftreten, wenn wir zu viele Kohlehydrate zu uns nehmen. Es springt dann die Insulinproduktion in den Bauchspeicheldrüsen an und Insulin senkt dann sehr schnell den Blutzuckerspiegel ab. Ein relativ konstanter Blutzuckerspiegel gelingt nicht mit allen Kohlehydraten. Am besten geeignet sind hier 2-fach- und Mehrfachzucker. Dazu gehören Vollkornbrot, Nudeln und Kartoffeln. Ideal ist eine Kombination dieser Kohlenhydrate mit einer eiweißreichen Kost.

Gegen Heißhungerattacken gibt es noch weitere Tricks: Man kann Wasser trinken, um den Magen zu beruhigen, Zähne putzen hilft manchmal auch und ein kurzer Spaziergang kann das Heißhungergefühl zeitlich verdrängen. Als Notbremse rate ich vielfach zu Pfefferminz oder Menthol. Dadurch wird die Esslust gebremst und es ist durch dieses Ritual möglich, zur „Besinnung zu kommen“.

Oft essen wir in dieser Situation Schokolade. Wenn überhaupt, sollten wir dann zu Schokolade mit mindestens 70 Prozent Kakao-Anteil greifen. Eine helle Milchschokolade hilft nur kurzfristig.

 

Dieser Artikel erscheint auch in der Kolumne „Gesund mit Diehm“ auf www.gesuendernet.de, die Prof. Dr. Curt Diehm wöchentlich schreibt.

 

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