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Auf einen Blick
Olivenöl ist gesund - oder doch nicht?

Olivenöl ist gesund — oder doch nicht?

Der gesundheitliche Nutzen von Olivenöl wird in einer Untersuchung in Frage gestellt. Zumindest in Bezug auf die Herzgesundheit. — erklärt Prof. Dr. Curt Diehm.

 

Der positive gesundheitliche Nutzen von hochwertigem Olivenöl gehört inzwischen zum Allgemeinwissen über Medizin und Ernährung. Da führte eine Untersuchung der Universität Münster für Verwirrung. Die Fragestellung lautete: Ist Olivenöl doch nicht so gut für das Herz? Die Forscher sind der Auffassung, dass Olivenöl sogar zur Arteriosklerose führen kann. Bis dato wurde dem Olivenöl als Bestandteil der mediterranen Kost ja immer eine schützende Wirkung vor Herzinfarkten und anderen Gefäßkrankheiten zugesprochen.

 

Die Münsteraner fanden heraus, dass einfach ungesättigte Fettsäuren wie die Ölsäure aus Olivenöl das Risiko von Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen kann. Diese einfach ungesättigten Fettsäuren können zudem zu einem Zelltod führen. Die Forschergruppe führte auch Tierversuche an Meerschweinchen durch. Es konnte gezeigt werden, dass durch Olivenöl die kleinen Nager kleinere Herzen und öfter geschädigte Herzmuskelzellen aufwiesen.

 

Dennoch: Die Deutsche Herzstiftung und die Deutsche Gefäßliga betonen, dass diesen Daten aus dem „Reagenzglas“ viele große Bevölkerungsstudien gegenüber stehen, die den gesundheitlichen Effekt der mediterranen Küche mit Olivenöl als Haupt-Fettlieferanten klar belegen. Beide Gesellschaften kommen zur Auffassung: Der Nutzen von Olivenöl ist klar belegt!

 

Die wissenschaftliche Evidenz sprich dafür: Viele klinische und epidemiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass ein höherer Olivenölkonsum die Herzinfarkt- und Schlaganfallrate reduzieren kann. Selbst die Zuckerkrankheit, Demenz und Augenerkrankungen wie die Makula Degeneration werden günstig durch Olivenöl beeinflusst.

 

Verantwortlich dafür sind die ungesättigten Fettsäuren im Olivenöl, die den Fettstoffwechsel beim Menschen positiv beeinflussen. Es ist wiederholt beschrieben worden, dass durch den Konsum von Olivenöl das gute HDL ansteigt. Andere Fette wie Sonnenblumenöl sind zwar auch in der Lage, das ungünstige LDL-Cholesterin zu reduzieren, bislang konnte aber noch nicht nachgewiesen werden, dass sie auch das günstige HDL anheben.

 

Olivenöl hat zudem ausgeprägt antientzündliche Eigenschaften und es wirkt antirheumatisch. Bekanntermaßen verringert Olivenöl auch die Magensäurebildung, das ist besonders wichtig für jene zwei Millionen Deutsche, die an einer Reflux Erkrankung leiden. Darüber hinaus hat Olivenöl eine laxierende Wirkung, das heißt, es beugt Verstopfungen vor.

 

Olivenöl stillt Juckreiz

Chronischer Juckreiz nervt viele Menschen. Allergische Erkrankungen können zu Juckreiz führen und auch bei Lebererkrankungen ist Juckreiz eine häufige Folgewirkung. Immer wenn herkömmliche Mittel auf den Juckreiz nicht ansprechen, empfehle ich das Auftragen von lauwarmem Oliveröl auf die Haut. Viele Patienten berichten über eine deutliche Linderung. Zum Thema Öle auch noch ein Hinweis zu Omega-3-Fettsäuren. Es ist zweifelsfrei belegt, dass eine gute Versorgung mit den biologisch aktiven Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) das Herz-Kreislauf-System schützt. Auch bei ungeborenem Leben trägt es maßgeblich zur Entwicklung des Gehirns und der Sehfähigkeit bei. Fachgesellschaften in aller Welt empfehlen daher gesunden Menschen eine tägliche Zufuhr zwischen 250 mg und 500 mg mehrfach ungesättigter Fettsäuren und Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA). Schwangere und Stillende sollten mindestens 200 mg DHA pro Tag zu sich nehmen. Fisch ist dabei die ideale Quelle für reichhaltigstes Omega-3, wobei insbesondere fettreiche Kaltwasserfische wie Lachs, Makrele, Hering, Thunfisch und Sardine zu empfehlen sind. Zwei Fischmahlzeiten in der Woche (ca. 200 g) werden für eine gute Versorgung als ausreichend angesehen.

 

Dieser Artikel erscheint auch in der Kolumne „Gesund mit Diehm“ auf www.gesuendernet.de, die Prof. Dr. Curt Diehm wöchentlich schreibt.

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