Gesundheitsmagazin
Auf einen Blick
Zink


Zink — Wundermittel oder Wunschdenken

Zink wird schon lange zur Wundbehandlung eingesetzt. Seit einigen Jahren wird Zink auch verstärkt als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Doch ist eine zusätzliche Einnahme von Zink wirklich sinnvoll? Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit  — erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.

In der Wundbehandlung nutzt man Zink als Salbe wegen der antiseptischen und wundheilungsfördernden Wirkung des darin enthaltenen Zinkoxids. Allerdings ist selbst hier der medizinische Nutzen bislang nicht hinreichend gesichert. In den vergangenen Jahren sind zusehends auch Zinktabletten als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt gekommen. Sie versprechen unter anderem eine schnellere Heilung bei grippalen Infekten. Denn Zink spielt bei den körpereigenen Abwehrkräften eine wichtige Rolle. Neben Eisen ist Zink eines der wichtigsten Spurenelemente in unserem Körper. Klinische Zeichen eines Zinkmangels können sein: Hautprobleme wie Ekzeme oder Neurodermitis, schlechte Wundheilung, Sehstörungen, Ohrgeräusche, Depressionen und Wachstumsstörungen.

Die aktuelle Studienlage

Die oftmals zitierte positive Wirkung von Zink bei Erkältungskrankheiten beruht im Wesentlichen auf mehreren Studien der Ohio State University im US-amerikanischen Columbus. Wissenschaftler dort hatten bei Mäusen beobachtet, dass es nach einer mehrwöchigen zinkfreien Ernährung zu einer verstärkten Immunreaktion auf bakterielle Infektionen der Blutbahn kam. Allerdings lässt sich dieses Ergebnis nicht einfach auf Menschen übertragen.Auch Mitarbeiter der Cochrane Collaboration – einem internationalen Netz von Wissenschaftlern und Ärzten – kommen nach einer aktuellen Auswertung der Studienlage zu dem Resultat: Die zusätzliche Einnahme von Zink in Form von Sirup, Lutschtabletten oder anderen Tabletten kann zwar die Dauer eines grippalen Infekts um einen halben bis zu einem Tag verkürzen. Der Schweregrad der Erkältungssymptome wurde durch die Einnahme jedoch nicht beeinflusst.Allerdings stellten sich diese Effekte nur bei einer extrem hohen Zinkdosierung ein, die bei vielen der Probanden zu unerwünschten und unangenehmen Nebenwirkungen führte. Die Wissenschaftler empfehlen darum diplomatisch, den wahrscheinlichen Nutzen sehr genau gegen die Nebenwirkungen abzuwägen.

 

Was offizielle Stellen sagen

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European food safety authority, EFSA) empfiehlt für Erwachsene eine Höchstmenge von 25 mg Zink pro Tag. Wer mehr einnimmt, muss mit Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Krämpfen oder Durchfall rechnen. Eine längerfristige Überdosierung kann sogar zu Kupfermangel und einer daraus resultierenden Blutarmut führen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt sogar, dass Erwachsene nicht mehr als 10 mg Zink pro Tag zu sich nehmen sollten. Ein Wert, der von den im Handel befindlichen Zink-Tabletten oft deutlich überschritten wird.

Ernähren Sie sich bewusst


Darum mein Rat: Ernähren Sie sich gesund, dann müssen Sie auch keinen Zinkmangel fürchten. Hülsenfrüchte und Getreide sind wichtige Zinkquellen. Auch in Fleisch – insbesondere in rotem – und Milchprodukten ist Zink enthalten. In Schalentiere und Innereien ist auch viel Zink. Sollten Sie sich dagegen beispielsweise vegetarisch ernähren, dann sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Er sollte immer Ihre erste Anlaufstelle sein, wenn es darum geht, einen eventuellen Mangel festzustellen und dann gezielt auszugleichen.

Der unbedarfte und unkontrollierte Griff zu Nahrungsergänzungsmitteln kann im Zweifelsfall eher schaden als nutzen – auch, wenn Ihnen die Werbung oft etwas anderes weismachen möchte.

 

Dieser Artikel erscheint auch in der Kolumne „Gesund mit Diehm“ auf www.netzathleten.de, die Prof. Dr. Curt Diehm wöchentlich schreibt.

 

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