Gesundheitsmagazin
Auf einen Blick
Schnupfen

Nur ein Schnupfen oder doch etwas Ernstes?

Erkältungen zählen zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Zusammengerechnet – so sagt man – verbringen wir ungefähr drei Jahre unseres Lebens mit verschleimten Atemwegen, Kopf- und Halsweh – ein Jahr davon sogar im Bett. Doch wann sollte man den lästigen Schnupfen wirklich ernst nehmen und was hilft? Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit — erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.

 

Laut einer aktuellen Statistik erkranken rund 70 Prozent der Deutschen mindestens ein bis dreimal pro Jahr an einer Erkältung. Knapp 20 Prozent sogar mehr als viermal. Da, so sollte man meinen, müsste es eigentlich eine Unmenge an wissenschaftlichen Untersuchungen und Studien zu dem Thema geben. Doch weit gefehlt. Denn die Zusammenhänge zwischen den möglichen Ursachen und deren Auswirkungen im Körper sind sehr komplex. Zudem hat auch das Gesundheitswesen kein sehr großes Interesse an einer Erforschung, denn eine normale Erkältung ist harmlos und die Pharmaindustrie verdient gut an allen möglichen Pillen, Säften, Pulvern und Tropfen, die wenn schon nicht Heilung, dann doch zumindest Linderung verheißen.

 

Erkältung oder Grippe?

Doch bevor wir uns der Behandlung zuwenden, sollte man erst einmal unterscheiden, ob es sich um eine Erkältung oder eine Grippe handelt. Eine Grippe – wir Ärzte sprechen von einer Influenza – wird durch eine ganz bestimmte Art von Viren ausgelöst. Für eine Erkältung können dagegen eine Vielzahl möglicher Erreger ursächlich sein, viele von ihnen zwar auch Viren, aber insgesamt weit mehr als 100 verschiedene. Darum kann man sich gegen eine Grippe auch impfen lassen, die Impfung wirkt aber nicht bei Erkältungen. Und darum kann man Erkältungen auch kaum gezielt behandeln, weil es eben viele mögliche Ursachen geben kann.Oftmals sind die Symptome von Grippe und Erkältung durchaus ähnlich. Zumeist geht eine Grippe jedoch mit höherem Fieber einher. Auch beginnt die Grippe häufig plötzlich, während sich eine Erkältung langsam vom bekannten Kratzen im Hals über Schnupfen und Husten steigert.

Warum immer ich?

Aktuell beschäftigt sich eine Forschungsgruppe am Centrum für Chronische Immundefizienz (CCI) in Freiburg mit der Frage, warum manche Menschen häufiger und manche so gut wie nie eine Erkältung bekommen. Ihre sogenannte Atemwegsinfektanfälligkeitsstudie (AWIS) wird mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführt und zeigt bereits einige interessante Resultate. So bekommen übergewichtige Frauen auffallend häufiger Infekte, vor allem schwerwiegende der unteren Atemwege. Auch Schlaf spielt eine wichtige Rolle. Sowohl eine kurze Schlafdauer als auch eine schlechte Schlafqualität haben negative Auswirkungen auf die Infektanfälligkeit.

Doch nicht nur ein intaktes Immunsystem kann uns vor Erkältungen schützen. Auch unsere Psyche spielt dabei eine wichtige Rolle. Das erforschen Wissenschaftler in den USA bereits seit vielen Jahren. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass neben Stress oder krisenhaften Lebenssituationen auch der soziale Status im wahrsten Sinne des Wortes vor Erkältungen schützen kann.

Was tun, wenn die Nase läuft?


Wenn Sie nun von mir erwarten, dass ich Ihnen das ultimative Haus- oder Arzneimittel gegen eine Erkältung verrate, muss ich Sie leider enttäuschen. Das gibt es leider nicht. Halten Sie Ruhe, „verschleppen“ Sie die Erkältung nicht, trinken Sie viel Wasser oder Kräutertee. Inhalationen mit Nasenmasken sind wichtig in der Basisbehandlung. Hustenlöser und Hustenstiller können hilfreich sein. Gegen eine kurzzeitige Einnahme von Ibuprofen oder Paracetamol gibt es keine wesentlichen Einwände. Bei Kopfschmerzen hilft ein Kopfschmerzmittel, bei verstopfter oder laufender Nase ein Nasenspray. Beides verkürzt jedoch nicht die Dauer der Erkrankung. Und sollte hohes Fieber dazukommen oder die Symptome länger als eine Woche anhalten, konsultieren Sie bitte Ihren Arzt.

Dieser Artikel erscheint auch in der Kolumne „Gesund mit Diehm“ auf www.gesuendernet.de, die Prof. Dr. Curt Diehm wöchentlich schreibt.

 

 

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