Gesundheitsmagazin
Auf einen Blick
Herzrhythmusstörungen

 

Herzrhythmusstörungen — Wenn das Herz aus dem Takt gerät, droht Schlaganfall

Herzrhythmusstörungen werden oft verharmlost. Doch neue Studien zeigen: Wenn das Herz nicht richtig schlägt, erhöht sich auch das Schlaganfallrisiko signifikant, insbesondere bei Frauen. Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.

 

Rund eine Million Menschen in Deutschland haben nach Angaben von Herzspezialisten (Kardiologen) ein Vorhofflimmern, der häufigsten und klinisch bedeutsamsten Herz-Rhythmusstörung. Mit der Alterung der Gesellschaft wird diese Zahl in Zukunft noch weiter steigen. Bereits heute geht man davon aus, dass rund jeder Vierte über 40 einmal Vorhofflimmern bekommt. Das ist bedrohlich, denn ein Drittel aller Schlaganfälle geht schon heute auf diese Störung im Herzen zurück.

Achterbahnfahrt führt zu Herz-Rhythmusstörungen

Wie schnell es dazu kommen kann, belegte eine Studie im Holiday Park in Hassloch. 55 Freiwillige im Alter zwischen 18 und 70 Jahren unterzogen sich EKG-verkabelt einer Achterbahnfahrt. Der Pulsanstieg während der Fahrt war beträchtlich. Von durchschnittlich 89/min kletterte der Puls bei Männern auf 148/min, bei Frauen auf 164/min. Fast jeder Zweite wies markante Sinusarrhythmien auf, die bis zu 5 Minuten nach Ende der Fahrt anhielten. Ein Proband zeigte sogar eine Episode von Vorhofflimmern.

 

Vorhofflimmern: Frauen haben doppeltes Schlaganfall-Risiko

Besonders gefährlich ist dies für das weibliche Geschlecht. Unabhängig vom Alter haben Frauen bei Vorhofflimmern ein deutlich höheres Schlaganfall-Risiko als Männer. Es ist bei Frauen sogar die häufigste Ursache für schwere Schlaganfälle. Dies hat jetzt eine Studie mit 13.500 Patienten gezeigt.
Deren Ergebnisse belegen, dass weibliche Studienteilnehmer mit 3,5 Prozent ein fast doppelt so hohes Risiko ohne eine Blutverdünnung innerhalb eines Jahres hatten, als Männer (1,8 Prozent).

Den Geschlechtsunterschied beim Schlaganfall-Risiko bestätigen zudem sechs weitere Studien mit insgesamt fast 10.000 Patienten. Insbesondere wenn Vorhofflimmern und gleichzeitig eine Herzleistungsschwäche (Herzinsuffizienz), Hypertonie (Bluthochdruck), Diabetes (Zuckerkrankheit) und frühere Durchblutungsstörungen des Gehirns vorliegen, ist das Schlaganfall-Risiko sehr stark erhöht.

Fisch kann Herzrhythmusstörungen verhindern

Das alles ist jedoch kein Grund, um in Panik zu geraten. Denn es gibt sehr wirksame Methoden, um gefährlichen Herzrhythmusstörungen vorzubeugen.

So hat eine Studie bei rund 3000 Griechen und Griechinnen gezeigt, dass Menschen die viel Fisch essen (mehr als 300 g/Woche) im Vergleich zu den übrigen Teilnehmern eine um knapp 14 Prozent geringere QT-Zeit aufwiesen. Dies bedeutet vereinfacht, dass deutlich weniger Herz-Rhythmusstörungen auftreten.


Demnach haben also ein hoher natürlicher Konsum von Fisch und Omega-3-Fettsäuren einen positiven Einfluss auf die elektrische Herzaktion. Die Forscher sind sogar der Auffassung, dass Fisch als antiarrhythmische Maßnahme angesehen werden kann. Omega-3-Fettsäuren scheinen die elektrische Stabilität des Herzens zu beeinflussen.


Das Herz hört gern Musik

Auch Musik hat eine nachweislich positive Wirkung auf das Herz. Denn beim Hören von Musik reagieren die Blutgefäße mit Entspannung. Das berichteten Forscher der University of Maryland in Baltimore bei der Amerikanischen Herz-Jahrestagung (AHA). Die Lieblingsmusik einer Person hat eine ähnliche Wirkung auf die Gefäße wie Lachen oder körperliche Ausdauerbewegung.

 

Die Forscher hatten nichtrauchende Männer und Frauen gebeten, zur Untersuchung Musikstücke mitzubringen, die sie fröhlich stimmen. Die Probanden bekamen dann ihre Lieblingsmusik vorgespielt. In einem zweiten Test hörten sie 30 Minuten lang Musik, die ihnen ihren eigenen Angaben zu Folge Angst macht. In einer weiteren Untersuchung hörten sie Entspannungs-CDs und in einem vierten Test schauten sie Filme an, die zum Lachen anregen sollten. Während dieser vier Tests beobachteten die Wissenschaftler mittels Ultraschallsonden, wie die Blutgefäße reagierten.

 

Das Ergebnis zeigte, dass der Durchmesser der Gefäße sich beim Hören der Lieblingsmusik am deutlichsten erweiterte, gefolgt vom Spaß-Video und den Entspannungs-CDs. Beim Hören der belastenden Musik dagegen verringerte sich der Gefäßdurchmesser.

 

In dieser Amerikanischen Studie hatten übrigens die meisten Teilnehmer Country-Musik zur Untersuchung mitgebracht. Aber das ist natürlich dem Geschmack jedes Einzelnen überlassen ...

 

Dieser Artikel erscheint auch in der Kolumne „Gesund mit Diehm“ auf www.gesuendernet.de, die Prof. Dr. Curt Diehm wöchentlich schreibt.

 

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