Gesundheitsmagazin
Auf einen Blick
Koffein-Sucht

Kaffee – Geißel oder Segen?

Es gibt Studien, die warnen ausdrücklich vor Kaffee-Konsum. Andere bescheinigen ihm sogar, er würde das Krebsrisiko senken. Doch was stimmt nun und wieviel Kaffee ist gesund? Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit — erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.

 

Kaffee zählt zu den Lieblingsgetränken der Deutschen. Rund 6,5 Kilo konsumiert jeder von uns im Durchschnitt pro Jahr. Damit liegen wir in der Statistik ungefähr gleich auf mit den Italienern und nur noch hinter den Niederländern (9,5 Kilo) und den Skandinaviern. Spitzenreiter sind übrigens die Finnen mit über 10 Kilo pro Kopf und Jahr. Kein Wunder also, dass bei uns auch das öffentliche Interesse bezüglich der gesundheitlichen Wirkung der 900 n. Christus in Äthiopien erstmals entdeckten Kaffeebohne besonders groß ist.

 

Erzeugt Kaffee Krebs?


So sorgte vor kurzem auch bei uns eine Meldung aus Kalifornien für Aufsehen. Dort sollen die großen Hersteller und Vertreiber Kaffee als krebserregend kennzeichnen, weil angeblich beim Rösten die möglicherweise giftige Substanz Acrylamid freigesetzt wird. Ob das allerdings wirklich so ist, gilt als hochumstritten. Das Ganze basiert nämlich auf einer Klage einer Interessengruppe, die die Richter dazu brachte, die Kaffeeröster entsprechend zu verurteilen.

Da bin ich sicher nicht der Einzige, der sofort an die Dieselfahrverbote in deutschen Städten denken muss, die in vielen Fällen ebenfalls auf die Initiative eines Interessenverbandes zurückgehen.

Oder verhindert Kaffee Krebs?


Das Urteil ist umso überraschender, weil doch gerade in den vergangenen Jahren die früher oftmals als belastend oder ungesund bezeichnete Wirkung des Kaffees durch zahlreiche Studien wiederlegt wurde.

Ich verlasse mich da also lieber auf den aktuellen Stand der Wissenschaft. So kam im Jahr 2016 die internationale Krebsforschungsagentur nach einer Auswertung von über 400 Metaanalysen zu dem Resultat: Kaffee erhöht das Krebsrisiko nicht. Weder die Risiken für Tumore der Brust, der Prostata oder der Bauchspeicheldrüse werden demnach durch Kaffeekonsum beeinflusst. Im Gegenteil: Es gab sogar Hinweise, dass Kaffee das Risiko für Tumore von Leber und Gebärmutter senkt.

Was Kaffee bewirkt

Unabhängig davon gilt, dass das Koffein im Kaffee die Reaktionsfähigkeit und die Aufmerksamkeit erhöhen und das logische Denken verbessern kann. Diese stimulierende Wirkung setzt etwa 15 bis 30 Minuten nach dem Kaffeekonsum ein. Dann hat sich das Koffein über den Blutkreislauf im Körper verteilt. Mit dem Urin wird es anschließend wieder ausgeschieden. Die Wirkung hält bis zu vier Stunden an. Das hängt jedoch von verschiedenen Faktoren und auch dem Alter ab. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Kaffee. Bei manchen hat er nämlich so gut wie gar keine Wirkung. Das – so hat eine neue Studie ergeben – hängt offenbar von einem einzigen Gen ab, das dafür sorgt, ob Kaffee die Leistungsfähigkeit individuell steigern oder sogar vermindern kann.

Außerdem gewöhnt sich unser Körper an das Koffein. Obwohl nicht als Suchtmittel klassifiziert, kann plötzlicher Kaffee-Entzug bei regelmäßigen Kaffeetrinkern sogar zu Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten führen.

Wieviel Kaffee ist gesund?


Bleibt die Frage, nach der richtigen und gesunden Kaffeemenge. Sie ahnen es schon. Auch hier kann man kaum allgemein gültige Aussagen tätigen. Bei uns in Deutschland geht man von rund 400 Milligramm Koffein pro Tag aus. Das entspricht in etwa fünf großen Tassen Kaffee.

Für schwangere und stillende Frauen gelten jedoch andere Empfehlungen. Denn in der Schwangerschaft gelangt das Koffein quasi ungefiltert in den Kreislauf des ungeborenen Kindes. Das kann das Koffein allerdings noch nicht so schnell abbauen. Darum gilt: In der Schwangerschaft und während der Stillzeit sollten Frauen ihren Kaffeekonsum deutlich einschränken.

Ansonsten kann ich Ihnen nur raten: Hören Sie auf Ihren Körper und genießen Sie Ihren Kaffee oder Espresso. So lange Sie dabei normales Maß halten, brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen.

 

Dieser Artikel erscheint auch in der Kolumne „Gesund mit Diehm“ auf www.gesuendernet.de, die Prof. Dr. Curt Diehm wöchentlich schreibt.

 

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